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Ich suche jemanden, der Allgäu thais liebt

Allgäu Thais
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Auch im Allgäu haben wir rechtsradikale Kämpfer ausfindig gemacht. In Deutschland organisieren sich immer mehr Nazis und extrem rechte Hooligans in Kampfsportgruppen, um sich fit zu machen für den Kampf gegen alle, die sie in dieser Gesellschaft zu ihren Feinden erklären. Das berichtet die ARD in einer aktuellen Reportage des Magazins Monitor.

Name: Vinnie

Jahre: 45

Der frühere deutsche Thaibox-Meister Martin Ritter von den Allgäu Thais bereut seine rechten Tätowierungen. Er will sie weglasern lassen. Mit "rechtem Mist" habe er nichts mehr am Hut. Wie erklären Sie die umstrittenen Tätowierungen? Ritter: Sie sind Teil meiner Vergangenheit. Das sind Jugendsünden. Ich hab sie mit 17 Jahren stechen lassen. Damals war ich rechts. Doch das bin ich längst nicht mehr. Ich habe mein Leben geändert. Was bedeutet, Sie waren rechts?

Ritter: Ich habe damals Anschluss gesucht und bin in die falschen Kreise gekommen. Wir waren eine Clique von Gleichgesinnten mit rechter Einstellung aus unterschiedlichen Allgäuer Gemeinden. Wir trafen uns auf Festen, liefen in Bomberjacken rum, hörten rechte Musik. Aber wir waren nicht gewalttätig. Soweit ist es zum Glück nie gekommen. Ich habe mit 15 mit dem Thaiboxen angefangen. Meine Aggression habe ich im Ring ausgelebt. Wie kamen Sie darauf, sich Nazi—Symbolik allgäu thais zu lassen? Ritter: Das war absolut hirnlos. Heute erkläre ich es mir so: Mich hat das Soldatische fasziniert.

Ich wollte einerseits Anerkennung und andererseits provozieren. Sie waren später bei der Bundeswehr vier Jahre Zeitsoldat.

Wie haben Ihre Vorgesetzten auf die Tattoos reagiert? Ritter: Das war nie Thema. Trotzdem hat mir die Bundeswehr geholfen, aus dem rechten Mist rauszukommen. Wie das? Ritter: Der Zugführer meiner Einheit hat mich einmal beiseite genommen.

Er sagte, dass er das Gefühl hat, irgendwas stimme bei mir nicht. Meine Leistung sei überdurchschnittlich. Aber er glaubte, dass mich etwas belastet, das ich aufarbeiten müsste. Er schickte mich zu unserem Gruppenarzt und der wiederum zu einer Psycho.

Das war das Beste, was mir passieren konnte. Ritter: Ich habe eine vierjährige Therapie begonnen — und ich habe alles rausgelassen, was an Hass und negativer Energie in mir steckte. Die Psycho war der erste Mensch, dem ich voll vertraut habe. Und die mit mir ans Eingemachte ging. Meine Kindheit war nicht allgäu thais. Mit Gewalterfahrung und traumatischen Erlebnissen. Ich war keine zehn Jahre alt, als ich ins Kinderheim musste. Diese Dinge musste ich aufarbeiten, um ein neuer Mensch zu werden. Ich musste lernen mit meiner Angst umzugehen. Sie positiv zu nutzen. Welche Bedeutung hatte der Sport dabei?

Ritter: Während der Therapie habe ich pausiert. Das hat mir die Psycho geraten. Nach Abschluss dieses Prozesses hat sie mich ermutigt, wieder Kampfsport zu betreiben. Für mich sind die Kämpfer und speziell die Allgäu Thais wie eine Familie. Wir haben Kämpfer aus knapp 20 Nationen. Ich verstehe mich mit allen.

"früher war ich rechts. heute betreue ich einen syrischen flüchtling"

Es ist eine Bereicherung. Vor zwei Jahren habe ich meine jetzige Ehefrau, eine gebürtige Rumänin, bei einer Kampfveranstaltung kennengelernt. Zu diesem Event bin ich als Trainer eines syrischen Flüchtlingsjungen gekommen. Wie kam dieser Kontakt zustande?

Ritter: Mein Onkel und seine Frau haben den Jungen vor drei Jahren als Pflegekind bei sich aufgenommen. Er war 14, als ich ihn das erste Mal getroffen habe. Abdulsalem ist allein aus Aleppo nach Deutschland geflohen. Er hat schreckliche Dinge erlebt. Trotzdem oder gerade deswegen ist er ein unheimlich starker junger Mann. Ich glaube es war Fügung, dass wir uns begegnet sind.

Für mich ist er wie ein Ziehsohn. Ich hab ihn mit zum Thaiboxen genommen. Es hat ihm sofort gefallen.

Allgäu thais

Wenn sich Ihr Leben so verändert hat, warum gibt es ein Trainingsfoto von Ihnen, das Sie in einem T-Shirt einer rechten Band zeigt? Ritter: Ich hab dieses T-Shirt vor ein paar Jahren im Training angehabt, richtig. Da zieht man immer alte Shirts an, die man durchwitzen kann. Die Dinger stinken danach. Daran sieht man, dass das Shirt für mich absolut keinen Wert mehr hatte. Mittlerweile habe ich es weggeschmissen. Wieso haben Sie weiter die umstrittenen Tätowierungen? Ritter : Bis vor einem knappen halben Jahr habe ich sie als Teil meiner Vergangenheit gesehen.

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So wie eine hässliche Narbe. Ein Teil, ohne den ich heute nicht der wäre, der ich bin. Seit der Geburt meiner Tochter vor knapp sechs Monaten sehe ich es anders: Ich will die Tattoos entfernen lassen.

Ich will, dass sie mich ohne diesen Teil kennenlernt. Das Runen-Zeichen lasse ich überstechen. Der Termin steht bereits. Doch das wird leider nicht billig. Wenn Ihnen heute jemand anböte, die Tattoos kostenlos zu entfernen oder dafür die Rechnung zu zahlen, wären sie weg? Ritter: Ja, sofort.

Das können Sie mir glauben. Mit dem rechten Mist allgäu thais ich abgeschlossen und ich bin froh darüber. Vielleicht kann ich andere ermutigen, dass ihnen der Schritt auch gelingt. Allgäuer Kampfsportler "Früher war ich rechts. Heute betreue ich einen syrischen Flüchtling". Bild: Tobias Schuhwerk. Wegen Nazi-Tätowierungen steht der frühere deutsche Thaibox-Meister Martin Ritter 28 in der Kritik : auf seinem Körper ist unter anderem das Konterfei eines Wehrmachtssoldaten gestochen sowie die verbotene Odal-Rune, ein Kennzeichen der ebenfalls verbotenen Wiking-Jugend.

Zwei Jahre nach seiner aktiven Karriere ist der Maschinenführer heute Trainer bei seinem Heimatverein Allgäu Thais. Im Interview spricht er über seine rechte Vergangenheit und darüber, wie er sein Leben änderte - und dass er die Tattoos loswerden will.

Tobias Schuhwerk. Martin Ritter wurde deutscher Thaibox-Meister und Vize-Weltmeister im K1. Heute ist er Trainer bei den "Allgäu Thais". Seine rechten Tattoos will er loswerden. Mit dem syrischen Flüchtling Abdulsalem Alshahin hat Martin Ritter Freundschaft geschlossen.

Nazis stählen sich in der allgäuer kampfsportszene

Er trainiert den Jährigen, betreut ihn auf Wettkämpfen und nimmt ihn mit zu Bergtouren. Er war im Ring ein super Kämpfer und ein absolut fairer Sportsmann. Privat kenne ich ihn als liebenswerten Menschen, dem die Herkunft von Leuten egal ist. Seine Tattoos haben mir nie gefallen. Ich glaube ihm aber, dass es sich um Jugendsünden handelt. Er betreut mich nicht nur im Ring, sondern auch im Leben.

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